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Zugzusammenstoß in Halle-Süd und Bagenz, Kreis Spremberg, Bez. Cottbus

15. Oktober 1963
Einzelinformation Nr. 625/63 über den Zugzusammenstoß auf der Strecke Halle – Weißenfels und am Bahnhof Bagenz der Strecke Cottbus – Spremberg

Am 14.10.1963 ereigneten sich im Fahrbetrieb der Deutschen Reichsbahn zwei folgenschwere Verkehrsunfälle.

In den Morgenstunden, gegen 0.45 Uhr, ereignete sich auf der Strecke Halle – Weißenfels an der Blockstelle Halle-Süd ein Zugzusammenstoß.

Nach den bisher vorliegenden Ermittlungen entwickelte sich das Zugunglück wie folgt:

Vor dem haltzeigenden Einfahrtsignal Halle-Süd stand der Leergüterzug 10524. Auf diesen Güterzug fuhr der Durchgangsgüterzug 7681 auf. Zwei Güterwagen des Zuges 10524 entgleisten, wobei sie sich querstellten und mit ihrem Profil auf das Gegengleis ragten. Zum gleichen Zeitpunkt passierte der Transitdurchgangseilgüterzug (TDE) 5022 von Halle kommend die Unfallstelle und entgleiste. Insgesamt entgleisten bei diesen Zusammenstößen 14 Waggons, wobei teilweise Totalschaden eintrat.

Der Sachschaden beträgt nach vorläufigen Schätzungen ca. 350 TDM.1

Die Z-Lokomotive des TDE 5022 stürzte eine Böschung von ca. acht Meter herab. Der Triebwagenführer wurde verletzt, sein Beifahrer verunglückte tödlich.

Unter den entgleisten Waggons des TDE 5022 befinden sich

  • vier Wagen der schwedischen Staatsbahn,

  • ein Wagen der polnischen Staatsbahn,

  • ein Wagen der französischen Staatsbahn und

  • ein Wagen der Bundesbahn.

Als Unfallursache ist das Versagen des Fahrdienstleiters der Blockstelle B 1 Halle-Süd und des Blockwärters der Blockstelle Burg anzusehen.

Gegen 0.15 Uhr fiel die Fernbahnautomatik aus, sodass eine Hilfssperre angelegt werden musste, um den Fahrbetrieb aufrechterhalten zu können.

Da laufend zwei Züge in die Blockstelle zwischen Burg und Halle-Süd eingefahren wurden, verloren der Fahrdienstleiter und der Blockwärter die Übersicht über den Zugverkehr und die Zugfolge auf dem Streckenabschnitt Burg – Halle-Süd.

Nach den bisherigen Untersuchungen verletzten beide Angehörige der Reichsbahn grundsätzliche Dienstvorschriften des Fahrbetriebes. Besonders der Blockwärter der Blockstelle Burg unterließ es, vorschriftsmäßige Eintragungen in das Dienstbuch über Vor-, Frei- und Rückmeldungen vorzunehmen, wodurch ihm die Übersicht über die Belegung der Blockstrecke Burg – Halle-Süd verlorenging.

In den Abendstunden des 14.10.1963 gegen 23.27 Uhr fuhr der Güterzug 9317 auf der Strecke Cottbus – Spremberg auf den haltenden Leergüterzug 10188 im Bahnhof Bagenz auf. Die Lok des Güterzuges 9317 entgleiste teilweise, zwei Waggons des Leergüterzuges 10188 wurden total zerstört, ein dritter Waggon entgleiste ebenfalls. Der Sachschaden beläuft sich auf etwa 48 TDM.

Der Fahrdienstleiter [Name] des Bahnhofes Bagenz vergewisserte sich im Stellwerk nicht, ob der von ihm angenommene Leergüterzug 10188 bereits das Einfahrtsignal passiert hatte und die Einfahrt wieder frei ist, sondern nahm – ohne Kenntnis der konkreten Lage – den Güterzug 9317 zur Einfahrt in den Bahnhof Bagenz an.

Er überzeugte sich weiterhin auch nicht, ob das Einfahrtsignal in den Bahnhof Bagenz nach Einfahrt des Leergüterzuges 10188 wieder auf »Halt« gestellt wurde.

Der Fahrdienstleiter nahm am 14.10. an einem freiwilligen Kartoffeleinsatz teil und hatte anschließend nur zwei Stunden geschlafen.

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    15. Oktober 1963
    Einzelinformation Nr. 626/63 über den Zugzusammenstoß auf der Strecke Cottbus – Spremberg im Bahnhof Bagenz
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    15. Oktober 1963
    Einzelinformation Nr. 619/63 über die Aufklärung verschiedener Delikte staatsgefährdender Hetze und Propaganda im Bezirk Leipzig, in Zwickau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, und im Stadtgebiet von Erfurt